Erythrozytenverteilungsbreite (RDW-SD) – Laborwert verstehen
RDW-SD misst die Größenstreuung der Erythrozyten in Femtolitern; erhöhte Werte weisen auf Anisozytose bei Nährstoffmangel oder Hämolyse hin.
Aktualisiert: 30.8.2026
Referenzbereiche (typische Erwachsenenwerte)
| Für wen | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene | 37 – 54 | fL |
Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor — der Bereich auf Ihrem eigenen Befund gilt immer zuerst.
Was ist die Erythrozytenverteilungsbreite (RDW-SD)?
Der RDW-SD misst, wie stark die Größe der zirkulierenden roten Blutkörperchen variiert, ausgedrückt in Femtolitern (fL). Ein höherer RDW-SD bedeutet eine größere Streuung der Zellgrößen; ein niedrigerer Wert bedeutet gleichmäßigere Zellen.
Der MCV gibt zwar die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen an, kann jedoch trügerisch normal erscheinen, wenn sich kleine und große Zellen herausmitteln. Der RDW-SD erkennt diese verborgene Heterogenität und ist damit ein wertvoller Ergänzungsparameter zum MCV bei der Anämiediagnostik.
Referenzbereich
37 – 54 fL
Die Referenzbereiche variieren je nach Labor und Analysegerät.
Mögliche Ursachen für erhöhte Werte
Ein erhöhter RDW-SD weist auf Anisozytose hin — rote Blutkörperchen von deutlich unterschiedlicher Größe:
- Eisenmangelanämie — eine der häufigsten Ursachen. Neuere Mikrozythen koexistieren mit älteren normalgroßen Zellen.
- Vitamin-B12- oder Folsäuremangel — megaloblastäre Anämie, bei der Makrozyten neben normalen Zellen auftreten.
- Gemischter Nährstoffmangel — sowohl Mikrozythen als auch Makrozyten, mit einem auffällig hohen RDW-SD, selbst wenn der MCV normal erscheint.
- Hämolytische Anämie — Mischung aus großen Retikulozyten und älteren überlebenden Zellen.
- Nach Blutungen — gemischte Zellpopulationen unterschiedlicher Reife.
- Myelodysplastisches Syndrom — als frühes Zeichen.
Mögliche Ursachen für niedrige Werte
- Thalassämie-Merkmal — gleichmäßig kleine Zellen unterscheiden diesen Zustand vom Eisenmangel (bei dem der RDW-SD erhöht ist).
- Bestimmte chronische Anämien, die eine homogene Zellpopulation erzeugen.
Nächste Schritte
Der RDW-SD ist ein Screening-Parameter, keine Diagnose. Ihr Arzt wertet ihn gemeinsam mit MCV, Hämoglobin, MCH und Retikulozytenzahl aus. Gezielte Tests (Ferritin, B12, Folsäure, Blutausstrich) werden typischerweise als nächstes angeordnet.
Verlaufsbeobachtung
Der RDW-SD verändert sich langsam, da rote Blutkörperchen ungefähr 120 Tage leben. Nach einer Behandlung kann der RDW-SD vorübergehend weiter ansteigen, wenn neue Zellen unterschiedlicher Größe in die Blutbahn eintreten. Die Normalisierung dauert typischerweise 2–4 Monate. Eine Kontrolle alle 2–3 Monate zeigt, ob die Behandlung wirkt.
Fragen an Ihren Arzt
1. Was bedeutet mein RDW-SD zusammen mit meinem MCV und Hämoglobin? 2. Sollte ich Ferritin, Vitamin B12 und Folsäure bestimmen lassen? 3. Wie lange dauert es nach Behandlungsbeginn, bis sich der RDW-SD normalisiert? 4. Gibt es Warnsignale, die eine frühere Kontrolle erforderlich machen?