eGFR-Wert verstehen: Glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)
Was der eGFR-Wert über die Nierenfunktion aussagt, welcher Referenzbereich gilt und wann ein Arztgespräch sinnvoll ist.
Aktualisiert: 11.9.2026
Referenzbereiche (typische Erwachsenenwerte)
| Für wen | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene | 60 – – | mL/min/1.73m² |
| Erwachsene(optimal) | 90 – – | mL/min/1.73m² |
Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor — der Bereich auf Ihrem eigenen Befund gilt immer zuerst.
Was die eGFR ist und was sie aussagt
Die eGFR, die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, ist ein rechnerischer Wert, der angibt, wie gut die Nieren Blut filtern und Abfallstoffe ausscheiden. Sie wird nicht direkt gemessen, sondern aus dem Kreatininwert im Blut sowie Alter und Geschlecht mithilfe einer Formel geschätzt. Manche Labore beziehen zusätzlich den Wert Cystatin C ein, was die Schätzung in bestimmten Fällen genauer machen kann.
Die eGFR gilt als einer der wichtigsten Marker für die Nierenfunktion im Alltag, weil sie leicht aus einer einfachen Blutentnahme abgeleitet werden kann. Sie wird häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen des Metabolic Panels mitbestimmt, auch wenn keine konkreten Beschwerden vorliegen.
Ein eGFR-Wert allein sagt noch nicht, was die Ursache einer Veränderung ist. Er ist eher ein Hinweis darauf, ob die Nierenfunktion im erwarteten Bereich liegt oder ob eine weitere Abklärung sinnvoll sein könnte.
Referenzbereich
In vielen Laboren gilt ein Wert ab etwa 60 mL/min/1,73 m² als Hinweis auf eine im Wesentlichen normale Nierenfunktion, wobei die genaue Einordnung je nach Alter unterschiedlich ausfallen kann. Bei älteren Menschen sinkt die eGFR häufig physiologisch etwas ab, ohne dass dies zwingend eine Erkrankung bedeutet.
Da die Berechnungsformeln zwischen Laboren variieren können und manche Labore Cystatin C statt oder zusätzlich zu Kreatinin nutzen, sind kleinere Abweichungen zwischen verschiedenen Berichten normal. Wichtig ist deshalb immer der Referenzbereich, der auf dem jeweiligen Laborbefund angegeben ist, da dieser die Methodik des durchführenden Labors berücksichtigt.
Die Einheit mL/min/1,73 m² beschreibt die geschätzte Filtrationsleistung, normiert auf eine durchschnittliche Körperoberfläche. Das erlaubt einen Vergleich zwischen Menschen unterschiedlicher Körpergröße.
Warum die eGFR erhöht sein kann
Ein höherer eGFR-Wert wird oft nicht als Problem gewertet, kann aber in manchen Situationen auftreten:
- Junges Lebensalter, in dem die Nierenfunktion naturgemäß hoch ist
- Schwangerschaft, da sich die Nierendurchblutung verändert
- Sehr proteinreiche Ernährung kurz vor der Blutabnahme
- Bestimmte Muskelmasseunterschiede, die die Kreatininberechnung beeinflussen
- Laborbedingte Schwankungen in der Berechnungsformel
Ein deutlich über dem Referenzbereich liegender Wert wird selten als eigenständiges Problem betrachtet, kann aber im Zusammenhang mit anderen Werten interessant sein.
Warum die eGFR erniedrigt sein kann
Ein niedrigerer eGFR-Wert kann verschiedene, teils harmlose, teils klärungsbedürftige Ursachen haben:
- Vorübergehende Flüssigkeitsdefizite, etwa durch zu geringe Trinkmenge
- Höheres Lebensalter, da die Nierenfunktion langsam abnimmt
- Bestimmte Medikamente, etwa manche Schmerzmittel oder Blutdruckmedikamente
- Bluthochdruck oder erhöhter Blutzucker über längere Zeit
- Akute Erkrankungen mit vorübergehender Beeinträchtigung der Nierendurchblutung
- Chronische Nierenerkrankungen, die eine genauere Abklärung erfordern
Ein einzelner niedriger Wert bedeutet nicht automatisch eine Nierenerkrankung. Häufig ist eine Wiederholungsmessung nötig, um vorübergehende von anhaltenden Veränderungen zu unterscheiden.
Was als Nächstes sinnvoll sein kann
Bei einem auffälligen eGFR-Wert wird häufig eine Wiederholung nach einigen Wochen empfohlen, um zu sehen, ob sich der Wert stabilisiert oder verändert. Zusätzlich können ergänzende Marker hilfreich sein, etwa:
- Kreatinin und Cystatin C, die Grundlage der Berechnung
- Harnstoff, als weiterer Hinweis auf die Ausscheidungsfunktion
- Albumin im Urin, das Hinweise auf die Nierenfilterbarriere geben kann
- Elektrolyte wie Kalium und Natrium
Allgemeine Lebensstilfaktoren wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ein stabiler Blutdruck und ein kontrollierter Blutzucker werden häufig im Zusammenhang mit der Nierengesundheit erwähnt. Ob und welche Maßnahmen im individuellen Fall sinnvoll sind, sollte jedoch mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden, insbesondere bei wiederholt auffälligen Werten.
Die eGFR über die Zeit verfolgen
Ein einzelner eGFR-Wert kann durch Tagesform, Flüssigkeitshaushalt oder kurzfristige Ernährung beeinflusst sein und sagt daher wenig allein aus. Aussagekräftiger ist der Verlauf über mehrere Messungen hinweg, da dieser zeigt, ob die Nierenfunktion stabil bleibt, sich langsam verändert oder plötzlich abweicht.
Viele Menschen lassen die eGFR im Rahmen jährlicher Routinekontrollen mitbestimmen. Bei bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden häufig engmaschigere Kontrollen besprochen. Das Verfolgen des Trends in einer App wie QbiLabs kann helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und sie im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt einzuordnen.
Fragen an die Ärztin oder den Arzt
- Ist mein aktueller eGFR-Wert im Vergleich zu früheren Werten stabil oder verändert er sich?
- Welche Ursachen kommen bei meinem individuellen Ergebnis infrage?
- Sollten ergänzende Werte wie Cystatin C oder Albumin im Urin bestimmt werden?
- Wie oft sollte ich die eGFR angesichts meiner persönlichen Situation kontrollieren lassen?
- Gibt es Medikamente oder Lebensstilfaktoren, die meinen Wert beeinflussen könnten?