Rheumafaktor (RF)
Der Rheumafaktor (RF) ist ein Autoantikörper, der bei rheumatoider Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen erhöht sein kann. Ein positiver RF allein reicht zur Diagnose nicht aus.
Aktualisiert: 19.9.2026
Referenzbereiche (typische Erwachsenenwerte)
| Für wen | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene | – – 14 | IU/mL |
Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor — der Bereich auf Ihrem eigenen Befund gilt immer zuerst.
Was ist der Rheumafaktor (RF)?
Der Rheumafaktor (RF) ist ein Autoantikörper, d. h. ein Protein, das vom eigenen Immunsystem des Körpers produziert wird und sich gegen andere körpereigene Proteine richtet. Konkret richtet sich RF gegen die Fc-Region der Immunglobuline der Klasse IgG (Antikörper).
Unter normalen Umständen produziert das Immunsystem Antikörper gegen äußere Bedrohungen wie Viren und Bakterien. Im Fall von Autoantikörpern beginnt dieses System aus irgendeinem Grund, gegen körpereigene Strukturen zu reagieren. RF war einer der ersten jemals entdeckten Autoantikörper und galt lange Zeit als primärer Diagnosemarker für rheumatoide Arthritis.
RF wird in IU/mL gemessen. Es ist wichtig zu wissen, dass ein positives RF-Ergebnis allein nicht ausreicht, um rheumatoide Arthritis zu diagnostizieren, und umgekehrt schließt ein negativer RF die Erkrankung nicht aus.
Referenzbereiche
In den meisten Laboratorien gilt RF als im Normbereich, wenn seine Konzentration 14 IU/mL nicht übersteigt. Werte oberhalb dieses Schwellenwerts gelten als positiv.
Das Ausmaß der Erhöhung spielt ebenfalls eine Rolle. Ein deutlich erhöhter RF (zum Beispiel ein Vielfaches des oberen Normalwerts) gibt im Allgemeinen mehr klinischen Anlass zur Besorgnis als ein leicht erhöhter Wert.
Referenzwerte können zwischen den Laboratorien leicht variieren; vergleichen Sie Ihr Ergebnis daher stets mit dem Referenzbereich Ihres spezifischen Labors.
Mögliche Ursachen für erhöhte Werte
Ein erhöhter RF kann verschiedene Ursachen haben, und nicht alle stehen im Zusammenhang mit einer Diagnose rheumatoider Arthritis:
Rheumatoide Arthritis ist die klassische Erkrankung, die mit RF assoziiert wird. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass RF nur bei etwa 70–80 % der Fälle von rheumatoider Arthritis positiv ist.
Andere Autoimmunerkrankungen: Das Sjögren-Syndrom (trockene Augen und trockener Mund), systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie und mehrere andere Autoimmunerkrankungen können ebenfalls einen positiven RF hervorrufen.
Chronische Infektionen: Langanhaltende bakterielle, virale oder parasitäre Infektionen (zum Beispiel Endokarditis, Hepatitis B und C, Tuberkulose) können die RF-Produktion stimulieren.
Andere Erkrankungen: Bestimmte Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen und maligne Erkrankungen sind gelegentlich mit einem positiven RF assoziiert.
Alter: Die Häufigkeit positiver RF-Ergebnisse nimmt mit dem Alter zu, auch bei gesunden Personen. Bis zu 10 % der Menschen über 70 können einen leicht positiven RF ohne offensichtliche Erkrankung aufweisen.
Mögliche Ursachen für niedrige Werte
Ein negativer oder normaler RF-Spiegel bedeutet, dass im Blut keine signifikanten Mengen dieses Autoantikörpers gefunden wurden. Dies kann darauf hinweisen, dass mit RF assoziierte Autoimmunreaktionen nicht aktiv sind.
Es ist wichtig zu wissen, dass ein negativer RF nicht bedeutet, dass rheumatoide Arthritis oder eine andere Autoimmunerkrankung ausgeschlossen ist. In einigen Fällen kann die Erkrankung ohne RF verlaufen, was als seronegative rheumatoide Arthritis bezeichnet wird. In solchen Situationen kann Ihr Arzt andere Marker überprüfen, zum Beispiel Anti-CCP-Antikörper.
Nächste Schritte
Ein positives RF-Ergebnis ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Ihr Arzt wird es zusammen mit Ihren Symptomen (Gelenkschmerzen, Schwellungen, Morgensteifigkeit), den Befunden der körperlichen Untersuchung und den Ergebnissen anderer Tests bewerten.
Wenn RF positiv ist, werden in der Regel zusätzliche Tests empfohlen: Anti-CCP-Antikörper (ein spezifischerer Marker für rheumatoide Arthritis), Entzündungsmarker (CRP, BSG) und ein großes Blutbild. In einigen Fällen ist eine rheumatologische Konsultation erforderlich.
Ein negativer RF bei vorhandenen Symptomen rechtfertigt ebenfalls weitere Abklärung. Symptome sollten nicht ignoriert werden.
Verlaufsbeobachtung
Wenn rheumatoide Arthritis oder eine andere RF-assoziierte Erkrankung diagnostiziert wurde, kann die Verlaufsbeobachtung des Markers helfen, die Krankheitsaktivität und die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen. RF-Werte korrelieren jedoch nicht immer mit der Schwere der Symptome, daher reicht RF allein nicht aus, um die Krankheitsaktivität zu beurteilen.
Bei Personen ohne Diagnose, deren RF leicht erhöht ist und die keine Symptome haben, entscheidet der Arzt, ob und wann eine Wiederholungsuntersuchung erforderlich ist.
Fragen für Ihren Arzt
- Was bedeutet mein RF-Wert zusammen mit meinen Symptomen und anderen Testergebnissen?
- Sollten Anti-CCP-Antikörper getestet werden?
- Welche anderen Entzündungsmarker könnten das Bild klären?
- Ist eine rheumatologische Konsultation notwendig?
- Wie oft sollte ich diesen Test wiederholen?
Dies ist keine medizinische Beratung. Bitte konsultieren Sie Ihren Arzt für gesundheitliche Entscheidungen.